In der Maske eines Mannes

Um Gehör zu finden, musste ich die Gestalt eines Mannes annehmen,

Um die Führung zu übernehmen, in männlicher Präsenz verharren.

Zum Schutz meiner selbst, nahm ich die Stärke des Mannes an,

Um meine Stimme zu erheben, musste ich männlich erscheinen.

Entscheidungen mitzugestalten, erforderte männliche Züge,

Um das Leben in vollen Zügen zu genießen, trug ich den Mantel des Mannes.

Doch hinter all diesen Masken, verbirgt sich die Wahrheit:

Ich bin eine Frau, die all dies und mehr in sich birgt.

-Liz

Pein

Erst mit,

Dann ohne Reihenfolge gingen sie von uns.

Dann lernten wir die Krankheit lernen.

Doch trauern durfte man nicht.

Es ging nicht mehr um vorher oder nachher.

Die Sache ist, dass nun die Angst in die vier Wände einzog und die Trennung aus der Welt beunruhigte.

Doch trotzdem durfte man nicht trauern.

Und jetzt soll man so weiter machen wie vorher?!


Matem

Önce sıralı,

sonra sırasız gittiler…

Ardından koca bir hastalıkla tanış olduk…

Mateme sıra kalmamıştı!

Öncesi, sonrası değilmiş mesele.

Mesele artık hayatımıza yerleşen korku, yalnızlık ve yaşamdan kopma endişesiymiş.

Mateme yine yer yoktu.

Gel de şimdi hiç olmamış gibi devam et.

Furchtlos sterben

Einige denken über den Tod nach.
Wenn sie darüber nachdenken, sehen sie, warum sie Angst haben.

Manchmal dauert es Jahre, manchmal Tage, um es zu verstehen.
Manchmal ein Leben lang.

Wenn Sie es verstanden haben, sagen Sie: “War es das?”

Sterben erst,
wenn es aufgebraucht ist,
wenn man glücklich ist,
wenn man genug gelebt hat.

Nicht als Kind.
Nicht bevor man verliebt war.
Nicht bevor man laufen gelernt hat.
Nicht bevor man sprechen konnte.

Ich wollte mich noch verlieben.
Ich wollte noch Erwachsen werden .
Ich wollte noch reden.

Nicht jetzt.

Im Exil

Erst waren es zwei
Dann wurden es vier
Nun sind es sieben Jahre

Sitze im Chios und schaue rüber zu den Brunnen.
Versuche den Simit und Çay, der mit Freunden mal gegessen wurde, zu sehen.
Versuche mich an die Tage zu erinnern, die mit Familie und Freunden gefeiert wurden.
Wird es jemals wiederholt werden können?
Oder werden wir uns jedesmal aus verschiedenen Inseln nur zu winken können?

Eine Fähre kommt gerade auf mich zu
Sie bringt mir die winkenden Hände der Heimat.
Diese Umarmung ist das Lebensziel geworden.
Statt Rakı wird Ouzo heute getrunken.

Sehe rüber zu den Brunnen…
Nächstes mal stoßen wir Raki zur Feier an, sagt meine Tochter.
Die Feier der Freiheit!
Die Feier des Endes der Diktatur!

Ich sinke trotz Hoffnung in eine Traurigkeit als ich der Fähre hinter her winke.
Alle sind nun wieder drüben.

Ich frage mich, ob der Teufelskreis diesmal gebrochen wird.
Ich frage mich, ob ich hoffen darf oder sollte
Ich schaue rüber und hoffe nicht im Exil zu sterben?!

Denn Im Exil ist man kein Gast mehr!
Denn im Exil kann meine Tochter meinen Grab nicht besuchen!

fdw

Heimatlos

Es ist kalt hier im Norden.

Heimweh zum nirgendwo.

Heimweh an die Erinnerungen.

Mache meine Augen zu.

Siehst du den Bosporus

Ja – der steht da genau wie vor 15 Jahren.

Der Mann, der mich zum Norden bewegt hat, steht auch vor dem Bosporus.

Der Mann, der in seinen Augen meine Sehnsucht zum Meer trägt…

Diese Meerenge bin ich

Zerteilt aber dennoch zusammenführend zwischen Asien und Europa

Der Mann aus dem Norden bringt mir den Wind vom Bosporus.

Es setzt sich auf meine Wangen und wischt meine Tränen der Heimatlosigkeit.

„Hörst du die Möwen?“ flüstert er zu mir.

Ich halte Inne und rieche das Salz von Bosporus wo die Möwen tanzen.

Eine Lücke wird gestopft und mit einem Lächeln gekrönt.

Es vergehen Stunden und plötzlich rüttelt mich mein Körper wach.

Öffne meine Augen.

Der Mann mit den Meeresaugen liegt neben mir, doch der Bosporus ist wieder in die Sehnsucht der Heimatlosigkeit versunken.

Doch der Mann meines Herz ist neben mir.

fdw

Ruhe in Frieden Samuel

„Menschen tötet man nicht“

Was ist mit uns los? Ein Lehrer wird enthauptet und wir diskutieren darüber, was richtig oder falsch ist. Dabei ist doch klar: Egal wer was sagt oder tut, in keiner Religion wird das Ermorden von Menschen unterstützt oder verteidigt. Wer das tut, vertritt nicht die Religion sondern Ideologien, Politik oder Terrorismus. Der Mord an Samuel Paty kann nicht klein geredet werden. Es ist rechtlich gesehen ein Verbrechen und religiös gesehen eine Sünde.

Warum überhaupt die Aufregung wegen der Karikaturen? Meine lieben muslimischen Schwestern und Brüder: Was ist daran falsch eine Karikatur des Propheten zu zeichnen und zu veröffentlichen? Was ist daran falsch diese im Unterricht zu zeigen? Ja, Gotteslästerei ist eine Sünde und bildliche Darstellungen sollen nicht angebetet werden. Die Karikaturen wurden aber nicht angebetet und wenn sie im Unterricht gezeigt werden, dann soll das einem pädagogischem Ziel dienen und nicht der Lästerei Gottes. Als Muslime finden wir das vielleicht trotzdem falsch und natürlich dürfen wir diese Meinung haben. Entscheidend ist aber, dass es nicht unsere Aufgabe ist zu urteilen. Das ist allein die Rolle Gottes. Unser Job ist es ein guter, ehrlicher und möglichst sündenfreier Mensch zu sein. Das ist kein leichter Job und bevor wir auf andere gucken, sollten wir erstmal sicher stellen, dass wir ihn richtig machen. Irgendwelche Karikaturen lenken dabei nur ab.

Lieber Samuel, Ruhe in Frieden!

„Macron, hör auf Politik zu machen und lass dich von deiner Frau unterrichten!“

Präsident Macron macht die Sache mit seinen Aussagen nicht besser. Die Wut, die der Mord bei vielen Menschen ausgelöst hat, ist verständlich. Als Präsident eines Landes in dem viele Muslime wohnen, hätte er aber versuchen sollen, der Spaltung der Bevölkerung möglichst entgegenzuwirken. Stattdessen versucht er, die Wut und die Trauer dazu zu nutzen, die politische Stimmung zu den eigenen Gunsten zu verändern und provoziert mit seiner islamophoben Haltung weitere Konflikte innerhalb des eigenen Landes und international.

Macron, Du bist ein Präsident und kein einfacher ignoranter Mensch. Bitte hol dir andere Berater, denn so wirst du mit der europäischen Idee nicht voran kommen. Als Europäer erwarten wir von dir mehr als von Erdogan. Diese Art von Verhalten spaltet die Gesellschaft und führt letzten Endes zu Wut und Abrutschen der Minderheit. Junge Muslime fühlen sich noch mehr diskriminiert und verletzt. In einem Einwanderungsland wie Frankreich sollte man auch diese Menschen sehen und auf Augenhöhe behandeln. Es ist einfach falsch und schädlich von den Terroristen, die meinen, Verbrechen im Namen des Islams begehen zu müssen, auf die riesige Mehrheit von Muslime zu schließen. Die Muslime verabscheuen diese Verbrechen mindestens so sehr wie alle anderen Menschen. Bitte lern etwas von Trudeau!

Satire hin und her. Es geht nicht um diese Karikaturen vom Propheten. Das eigentliche Problem geht viel tiefer. Viele Muslime fühlen sich nicht gesehen und akzeptiert. Diese Menschen erleben täglich Rassismus, Diskriminierungen und Islamfeindlichkeit. Selbst Menschen, die eigentlich nicht besonders gläubig sind, fühlen sich durch Kritik an ihrer Religion angegriffen und herablassend behandelt. Wieso verletzt man diese Menschen? Wenn man erlebt, dass die eigenen Eltern und vielleicht Großeltern über viele Jahre diskriminiert werden, führt das zu einer Gefahr abzurutschen. Diese Kinder sind wütend. Auch wenn sie irgendwann keine Kinder mehr sind. Junge Menschen verschließen sich und sind irgendwann nur noch in Gruppen von Gleichgesinnten aktiv. Sie haben kaum noch Interaktion mit den „Einheimischen“. So erschafft die Politik eine Herde von Menschen, die sich vom Rest der Gesellschaft nicht gesehenen und respektiert fühlt. Bitte hört endlich mit diesen Spaltungen auf. Denn der Islam gehört zu Europa, weil in Europa auch Muslime leben!

Nicht alle Menschen zählen gleich viel

Heute möchte ich mir selber etwas schenken. Dieses Geschenk soll mich von den Menschen befreien, die mir in direkter oder indirekter Weise sagen, dass ich so wie ich bin nicht gut bin. Nicht wegen meiner Persönlichkeit, sondern wegen meiner Herkunft.

Ich sehe, dass es in Deutschland im Moment eine #blacklivesmatter Debatte gibt. Es ist gut, dass diese Debatte geführt wird und die Bewegung macht mir Mut mich zu äußern auch wenn ich mich nicht dazugehörig fühle, denn ich bin nicht schwarz. Natürlich sind die Probleme, die Menschen mit schwarzer Hautfarbe in Deutschland haben, wichtig. Ich denke aber, dass das eigentliche Problem ein größeres ist: Deutschland hat ein allgemeines Problem mit denjenigen Einwohnern, die ausländische Wurzeln haben.

Während der ersten großen Migrationswelle in der Nachkriegszeit sind die sogenannten „Gastarbeiter“ gekommen. Die meisten von ihnen waren nicht schwarz. Viele von diesen Menschen, ihre Kinder, Enkel und Urenkel bilden heute einen großen Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Viele von ihnen haben unter Rassismus zu leiden und viele sind durch Rassismus gestorben. Insofern ist die Debatte #blacklivesmatter nicht repräsentativ für das Rassismusproblem, das wir in Deutschland haben. Mir wäre es lieber, wenn man in Deutschland einen Begriff wie #migrantslivesmatter gewählt hätte und sich nicht auf eine bestimmte Gruppe von Minderheiten beschränkt hätte.

Ich bin in Deutschland geboren und habe Deutschland im Alter von 12 Jahren verlassen. Es gab einige Auslöser dafür, die ich hier in Stichpunkten erwähnen möchte:

  • Als ich aufs Gymnasium kam, habe ich sehr schnell Freunde gefunden. Viele Freundschaften hielten leider nur kurz, weil die Eltern es nicht gern sahen, wenn ihre Kinder mit einer Ausländerin, noch dazu aus einer muslimischen Familie, befreundet waren.
  • Es gab deutsche Freunde, die sich gar nicht mit uns unterhalten durften.
  • Es gab Diskriminierung seitens meiner Lehrer.
  • Es gab Beleidigungen durch die Nachbarn
  • Mit 9 oder 10 wurde ich im Schulbus geschlagen, weil ich Ausländerin war. Meine deutschen Mitschüler und der Busfahrer haben nur zugesehen.

Ich könnte diese Liste noch lange weiterführen und viele Seiten damit füllen. Aber halten wir es mal kurz, damit ihr nicht auch traumatisiert werdet. Eins ist sicher: Ein 12 jähriges Kind verdient ein besseres Leben.

Ich war ein sehr fleißiges und ehrgeiziges Kind. Denn ich wollte mich beweisen. Ich wollte zeigen, dass wir auch was können und nicht nur die Deutschen. Doch irgendwann ging es mir immer schlechter. Das Trauma war so groß, dass ich meinen Vater darum bat, dass wir zurück gehen sollen. „Zurück“ – Eigentlich war dieser Ausdruck komplett falsch. Zurück wohin? Ich war doch in Deutschland geboren worden… doch ich fühlte mich nicht zugehörig und ich denke, so geht es vielen andere Menschen auch heute noch.

Ungefähr 20 Jahre später – ich war noch immer in der Türkei – verliebte ich mich in einen Deutschen und kam für ihn schließlich wieder nach Deutschland. Aufgrund meiner Erfahrungen in den 80er Jahren hatte ich Bedenken, aber ich kam trotzdem – der Liebe wegen und weil ich dachte, dass sich doch sicher auch viel verändert haben müsste.

Als ich dann in Deutschland ankam, war es Neuland und doch auch etwas bekannt. Die Sprache hatte ich zum großen Teil verlernt. Die Kultur, von der ich mich schon in meiner Kindheit abgelehnt fühlte, war ein Kulturschock. Ich war enttäuscht. War das der Westen von den man in der Türkei noch immer schwärmt? Irgendwas war falsch hier. Bei uns wird zu Europa aufgeschaut. Viel mehr als ein Kontinent ist Europa eine Lebensweise, die es zu erreichen gilt. Daher studieren in unseren Ländern Menschen und gehen dann mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in den Westen.

Das Deutschland, das ich nach meiner Rückkehr erlebte entsprach diesem Ideal nicht. Es konnte doch nicht wahr sein, dass sich Deutschland so wenig entwickelt hatte. Ich dachte, was habt ihr in den letzten 20 Jahren nur gemacht? Und nun – nachdem ich bereits einige Jahre wieder hier lebe – kann ich sagen: Es ist immer noch so.

Der alltägliche Rassismus ist unverändert ein Problem. Wenn man darüber redet, reden viele Deutsche die Gefühle ihrer ausländischen Mitmenschen und den Alltagsrassismus klein. Man hört dann auf darüber zu sprechen und regt sich nur noch innerlich auf. Ich habe Sprüche gehört wie „Sind Sie so erfolgreich, weil Ihr Klient denkt, dass Ihr Bruder und Vater ggf. eine Gefahr für sie sein kann?“. Das steckt man dann einfach in sich rein und lächelt dabei sogar. Eigentlich will man sagen, „Klar, ich kann ja nicht aufgrund meiner Kompetenz erfolgreich sein, weil ich ja keine Deutsche bin.“ So läuft es auf der Arbeit. Wenn Sie laut sagen, dass sie Moslem sind, dann ändert sich das Verhalten Ihrer KollegInnen. Denn man kann ja nicht modern, intellektuell, erfolgreich und gleichzeitig ein muslimischer Ausländer sein.

Unsere Herkunftsländer mögen zum Teil nicht liberal und modern sein aber vieles davon ist auch einfach nur Politik oder Populismus. Viele der Menschen dort haben sich trotz ihrer Regierungen entwickelt und sind oft weit moderner und liberaler als man denkt. Natürlich gibt es auch dort schlechte Pflaumen, aber es sind auch nicht mehr als im Westen.

Um uns den Alltag zu erleichtern machen „wir“ Ausländer viel Satire über unsere Situation in Deutschland. Wörter wie „Kanacke“ fallen hin und wieder. Dann kommt der liebe linke Hans und belehrt mich, dass das diskriminierend sei und ich so ein Wort als Führungskraft nicht sagen darf. Sorry Hans, aber ich glaube, du bist die letzte Person die mich da belehren sollte. Geh und belehre doch bitte deine versteckten KollegInnen, die auf links tun aber innerlich immer noch rechts sind. Ich erlebe in meinem Alltag den Rassismus und darf mich auch darüber lustig machen. Denn sobald ich darüber ernste Wörter fallen lasse, sagst du mir, dass es überall auf der Welt Rassismus gibt. Damit redest Du meine Sorgen und mein Leid klein. Irgendwo muss ich aber meinen Ausgleich finden und das klappt für mich durch reden besser als durch Feierabendbier.

Insgesamt ist es schwer sich als Ausländer in diesem Land zu beweisen. Es wird erwartet, dass sie Fehler machen. Manchmal wird auch nach Fehlern gesucht. Setzt ja nicht das Komma an die falschen Stellen! Denn dann werdet ihr abgestempelt und euer Arbeitgeber nutzt das gegen euch aus. Ihr könnt nicht aufsteigen. Das Komma steht im Weg. Ach, Hans hat auch Probleme mit der korrekten Grammatik? Kein Problem, der wird trotzdem befördert! Als Ausländer steht man unter besonderer Beobachtung. Also setz ja nicht die enge Kapuze auf, sonst wird der Moslem in dir thematisiert.

So fühlt man sich als ein „nicht Deutscher“. Ich habe mir immer gewünscht, dass mich die Deutschen in meiner Umgebung mal unterstützen, wenn ich auf Facebook über NSU oder Rassismus schreibe. Doch leider waren sie immer nur still. Doch trotz dieser Stille möchte ich mir selber an meinem Jahrestag dazu gratulieren, dass es mich gibt. Egal wie erfolgreich man ist oder wie reich man ist, wird man in Deutschland als Ausländer vielleicht doch nie vollständig akzeptiert. Doch ich bin gut so wie ich bin. Auch wenn ich eine Ausländerin bin. Ich mache meinen Job sehr gut, bin ein freundlicher und hilfsbereiter Mensch. Ich versuche ein guter Mensch zu sein auch wenn es mir immer nicht gelingt. Wenigstens weiß ich, wo es lang geht und das zählt. Ich möchte meinen gleich gesinnten Menschen sagen: Schämt euch nicht dafür wer ihr seid. Versucht einfach ein guter Mensch zu sein.

Alles Gute zum Geburtstag liebe filizofy !

Bleib so wie du bist!