Integration mit Nebenwirkungen

Ich stamme aus einer Migrantenfamilie und habe bereits in meiner Kindheit Erfahrungen mit Gewalt, Diskriminierung und Alltagsrassismus durch Einheimische gemacht. Diese prägenden Erlebnisse führten dazu, dass meine Familie das Land verlassen musste. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals wieder hier leben würde.

Doch die Liebe zu meinem Partner, den ich zufällig in meiner Heimat wiedertraf, führte uns zusammen. Wir hatten in unserer Kindheit dasselbe Gymnasium besucht, ohne uns damals näher kennenzulernen. Zwei Jahrzehnte später kreuzten sich unsere Wege erneut – ein unerwartetes Wiedersehen, das uns schnell erkennen ließ, wie sehr wir zusammengehörten. Für ihn ist es eine Herausforderung, sich in meiner Heimat zu integrieren, da Sprache und Kultur nicht leicht zu erlernen sind, insbesondere im fortgeschrittenen Alter.

Diese Erfahrungen haben mich besonders empfindsam gegenüber selbst kleineren Formen von Diskriminierung gemacht, insbesondere wenn Menschen stereotype Verhaltensweisen zeigen, die dem Bild des sogenannten „Alman“ entsprechen.

Für Menschen mit Migrationshintergrund ist es oft notwendig, deutlich mehr zu leisten, um gesellschaftliche Anerkennung oder beruflichen Erfolg zu erreichen. Diese strukturelle Ungleichheit ist tief verwurzelt. Auch heute begegne ich in verschiedenen gesellschaftlichen Situationen immer wieder dem Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören und mich ständig beweisen zu müssen – ähnlich wie damals in der Grundschule und im Gymnasium.

Dabei ist es mir wichtig zu betonen, dass ich keinesfalls Deutsche umgekehrt diskriminieren möchte. Im Gegenteil: Ich bemühe mich sehr, Beziehungen aufzubauen, Brücken zu schlagen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Oft passe ich mein Verhalten bewusst an, um nicht unbeabsichtigt Anstoß zu erregen. Andernfalls droht soziale Isolation oder der Rückzug in migrantisch geprägte Gemeinschaften, in denen Erklärungen und Rechtfertigungen entfallen.

Trotz dieser Bemühungen bleibt, auch nach mehr als zehn Jahren in Deutschland, häufig ein anhaltendes Gefühl der Fremdheit bestehen.

Zusätzlich erschweren finanzielle Belastungen die gesellschaftliche Teilhabe vieler Menschen mit Migrationsgeschichte. Der sogenannte Migrant Pay Gap bezeichnet die durchschnittliche Lohnlücke zwischen Beschäftigten mit und ohne Migrationshintergrund. Studien zeigen, dass Migranten in Deutschland im Durchschnitt bis zu 25 % weniger verdienen als Einheimische. Selbst bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit beträgt der bereinigte Migrant Pay Gap noch etwa 6 %. Diese ökonomischen Herausforderungen verstärken das Gefühl der Ungleichbehandlung.

Integration bedeutet, sich in eine Gesellschaft einzubringen, ohne die eigene Identität aufzugeben; Assimilation hingegen fordert die vollständige Anpassung und das Aufgeben der eigenen kulturellen Wurzeln. Solange Menschen von oben herab behandelt werden, bleibt der Blick für unsere vielen Gemeinsamkeiten verstellt.

Bleibt offen für alle Arten von Menschen – nicht nur die, die euch ähnlich sind. Denn wir sind mehr als unsere Herkünfte, auch wenn die Gesellschaft manchmal mit Scheuklappen unterwegs ist.

Bis dahin!

Liz

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