Zu Gast

Der Begriff „Gastarbeiter“ trat nach dem Zweiten Weltkrieg in den deutschen Sprachgebrauch ein und diente von Beginn an als euphemistische Bezeichnung für ausländische Arbeitskräfte, die für einen begrenzten Zeitraum in Deutschland tätig sein sollten. Diese Terminologie war bewusst gewählt, um sowohl den Einheimischen als auch den Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern zu signalisieren, dass ihre Anwesenheit lediglich temporär erwünscht war. Die Intention dahinter war klar: Es sollte keine dauerhafte Integration in die deutsche Gesellschaft stattfinden. Tatsächlich hatten auch die meisten GastarbeiterInnen ursprünglich nicht die Absicht, in Deutschland eine neue Heimat zu finden.

Doch die Realität entwickelte sich anders. Die befristeten Arbeitsverhältnisse wurden nicht wie geplant reduziert, und die GastarbeiterInnen erwiesen sich als eine günstige Arbeitskraft, deren Behandlung man retrospektiv durchaus mit moderner Sklavenarbeit vergleichen kann. Diese Situation prägte beide Gruppen tiefgehend: Auf Seiten der deutschen Bevölkerung verfestigte sich die Überzeugung, dass Ausländerinnen und Ausländer nie wirklich Teil der deutschen Gesellschaft werden würden. Für die MigrantInnen selbst war dies eine klare Botschaft: Du wirst für immer ein Ausländer bleiben.

Auch nach 60 Jahren hat sich diese mentalitätsprägende Einstellung kaum verändert. Sie durchdringt den Alltag in Deutschland – ob im Arbeitsmarkt, auf dem Wohnungsmarkt, in Schulen, auf der Straße oder in Behörden. Die Mentalität und die damit verbundenen Vorurteile sind allgegenwärtig.

Selbst hochqualifizierte Migrantinnen und Migranten, die nach Deutschland einwandern, werden oft nicht anders behandelt als die GastarbeiterInnen der Nachkriegszeit, insbesondere wenn sie aus Nicht-EU-Ländern stammen. Am Arbeitsplatz wird von ihnen erwartet, dass sie sich den deutschen Verhaltensnormen vollständig anpassen. Respekt und Akzeptanz für Interkulturalität sind häufig nicht vorhanden, auch wenn diese MigrantInnen wesentliche deutsche Werte wie Pünktlichkeit, Genauigkeit, Disziplin und Fleiß teilen. Diese neue Welle von EinwandererInnen ist oft säkular, kontaktfreudig und gut integriert – und doch reicht dies nicht aus, um wirklich dazuzugehören. Es sei denn, sie geben ihre eigene Identität auf und übernehmen Charaktereigenschaften wie Emotionslosigkeit, Unfreundlichkeit und Steifheit.

Natürlich trifft dies nicht auf alle Deutschen zu, aber leider ist es die dominierende Haltung in der Gesellschaft. Aus diesem Grund wird Deutschland wohl nie ein wirkliches Einwanderungsland werden. Denn wer nicht von Geburt an deutsch ist, wird unter den tief verwurzelten Vorurteilen leiden. Eine Änderung dieser Mentalität und der Abbau solcher Vorurteile erfordert eine grundlegende Neuausrichtung der Politik und Integrationsstrategien.

Deshalb entscheiden sich viele der hochqualifizierten „New-Wave“-MigrantInnen dafür, in andere Länder auszuwandern oder in ihre Heimat zurückzukehren. Gut ausgebildete Menschen haben schließlich weltweit gute Chancen. Die Gehaltsvorteile in Deutschland sind längst Geschichte; heute verdienen hochqualifizierte Fachkräfte andernorts ebenso viel, wenn nicht sogar mehr. Der Sozialstaat, einst ein starkes Argument für Deutschland, hat an Attraktivität verloren und bietet kaum noch nennenswerte Vorteile. Warum also sollten diese Menschen in Deutschland bleiben? Schließlich ziehen sie in ein Land, in dem Diskriminierung weit verbreitet ist, das Wetter oft trist und unfreundlich ist, hohe Abzüge zu erwarten sind und die Lebenshaltungskosten, insbesondere in Großstädten, enorm hoch sind.

Für Deutschland ist das bedauerlich, doch die Fakten sprechen eine klare Sprache, wie man den Statistiken des Bundesamtes entnehmen kann.

Es hätte auch anders kommen können. An dieser Stelle kommt mir ein Lied von John Lennon in den Sinn: „Imagine all the people living life in peace.“

Auch wenn ich mich hier wie zu Gast fühle, trotzdem möchte ich an diese Vision von J.Lennon glauben…

Eure Flitz

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