„Menschen tötet man nicht“
Was ist mit uns los? Ein Lehrer wird enthauptet und wir diskutieren darüber, was richtig oder falsch ist. Dabei ist doch klar: Egal wer was sagt oder tut, in keiner Religion wird das Ermorden von Menschen unterstützt oder verteidigt. Wer das tut, vertritt nicht die Religion sondern Ideologien, Politik oder Terrorismus. Der Mord an Samuel Paty kann nicht klein geredet werden. Es ist rechtlich gesehen ein Verbrechen und religiös gesehen eine Sünde.
Warum überhaupt die Aufregung wegen der Karikaturen? Meine lieben muslimischen Schwestern und Brüder: Was ist daran falsch eine Karikatur des Propheten zu zeichnen und zu veröffentlichen? Was ist daran falsch diese im Unterricht zu zeigen? Ja, Gotteslästerei ist eine Sünde und bildliche Darstellungen sollen nicht angebetet werden. Die Karikaturen wurden aber nicht angebetet und wenn sie im Unterricht gezeigt werden, dann soll das einem pädagogischem Ziel dienen und nicht der Lästerei Gottes. Als Muslime finden wir das vielleicht trotzdem falsch und natürlich dürfen wir diese Meinung haben. Entscheidend ist aber, dass es nicht unsere Aufgabe ist zu urteilen. Das ist allein die Rolle Gottes. Unser Job ist es ein guter, ehrlicher und möglichst sündenfreier Mensch zu sein. Das ist kein leichter Job und bevor wir auf andere gucken, sollten wir erstmal sicher stellen, dass wir ihn richtig machen. Irgendwelche Karikaturen lenken dabei nur ab.
Lieber Samuel, Ruhe in Frieden!
„Macron, hör auf Politik zu machen und lass dich von deiner Frau unterrichten!“
Präsident Macron macht die Sache mit seinen Aussagen nicht besser. Die Wut, die der Mord bei vielen Menschen ausgelöst hat, ist verständlich. Als Präsident eines Landes in dem viele Muslime wohnen, hätte er aber versuchen sollen, der Spaltung der Bevölkerung möglichst entgegenzuwirken. Stattdessen versucht er, die Wut und die Trauer dazu zu nutzen, die politische Stimmung zu den eigenen Gunsten zu verändern und provoziert mit seiner islamophoben Haltung weitere Konflikte innerhalb des eigenen Landes und international.
Macron, Du bist ein Präsident und kein einfacher ignoranter Mensch. Bitte hol dir andere Berater, denn so wirst du mit der europäischen Idee nicht voran kommen. Als Europäer erwarten wir von dir mehr als von Erdogan. Diese Art von Verhalten spaltet die Gesellschaft und führt letzten Endes zu Wut und Abrutschen der Minderheit. Junge Muslime fühlen sich noch mehr diskriminiert und verletzt. In einem Einwanderungsland wie Frankreich sollte man auch diese Menschen sehen und auf Augenhöhe behandeln. Es ist einfach falsch und schädlich von den Terroristen, die meinen, Verbrechen im Namen des Islams begehen zu müssen, auf die riesige Mehrheit von Muslime zu schließen. Die Muslime verabscheuen diese Verbrechen mindestens so sehr wie alle anderen Menschen. Bitte lern etwas von Trudeau!
Satire hin und her. Es geht nicht um diese Karikaturen vom Propheten. Das eigentliche Problem geht viel tiefer. Viele Muslime fühlen sich nicht gesehen und akzeptiert. Diese Menschen erleben täglich Rassismus, Diskriminierungen und Islamfeindlichkeit. Selbst Menschen, die eigentlich nicht besonders gläubig sind, fühlen sich durch Kritik an ihrer Religion angegriffen und herablassend behandelt. Wieso verletzt man diese Menschen? Wenn man erlebt, dass die eigenen Eltern und vielleicht Großeltern über viele Jahre diskriminiert werden, führt das zu einer Gefahr abzurutschen. Diese Kinder sind wütend. Auch wenn sie irgendwann keine Kinder mehr sind. Junge Menschen verschließen sich und sind irgendwann nur noch in Gruppen von Gleichgesinnten aktiv. Sie haben kaum noch Interaktion mit den „Einheimischen“. So erschafft die Politik eine Herde von Menschen, die sich vom Rest der Gesellschaft nicht gesehenen und respektiert fühlt. Bitte hört endlich mit diesen Spaltungen auf. Denn der Islam gehört zu Europa, weil in Europa auch Muslime leben!
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